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Unser Haus hat viele Geschichten

Unser Haus lebt von seinen Gästen, haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden, Botschaftern und Unterstützern. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte.

Damenquintett auf Grünkohltour

Eine Grünkohltour als Wunscherfüllung für einen unserer weiblichen Gäste: Zwei Gäste, zwei haupt- und eine ehrenamtlich tätige Mitarbeitende starteten zu einem gemeinsamen Spaziergang. Dabei holten sich die Damen Appetit für ein anschließendes Grünkohlessen im Laurentius Hospiz. Wohlschmeckender Begleiter auf der Tour war auch ein selbstgemachter Beerenlikör, der den Damen genau so gut schmeckte, wie der leckere Grünkohl im Anschluss. Fazit: Eine rundum gelungene Grünkohltour.

Lebens-Café für Trauernde

Seit Dezember 2017 findet am zweiten Mittwoch des Monats im Laurentius Hospiz das Lebens-Café für Trauernde statt. Das Angebot richtet sich an Trauernde, die einen geliebten Menschen verloren haben. Sie wissen, dass sie hier ihrer Trauer Raum geben können. Begleitet wird das Lebens-Café von Ehrenamtlichen. Eine von ihnen ist Christa Schellak.

Frau Schellak, Sie begleiten das Lebens-Café seit Beginn an, waren jedoch bereits schon vorher als Ehrenamtliche im Laurentius Hospiz tätig. In welchen Bereichen?

Ich bin seit mittlerweile vier Jahren ehrenamtlich im Laurentius Hospiz tätig. Zuerst umfasste mein Bereich das Alltägliche. Im Laufe der Zeit hatte ich jedoch das Bedürfnis, mich weiterzuentwickeln und habe mich zur Sterbebegleiterin ausbilden lassen. Nun engagiere ich mich in der Begleitung der Hospizgäste. Aktuell absolviere ich eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin, welche ich voraussichtlich im November beende. Die Ausbildung zeigt mir jetzt schon neue tiefgehende, interessante Einblicke in das menschliche Leben, z. B., was eine verspätete Trauer ist. Mit den neu erlangten Erfahrungen kann ich, so hoffe ich, ich Trauernde auf ihrem Weg begleiten.

Wie viel Ehrenamtliche sind für das Lebens-Café aktiv?

Jedes Lebens-Café wird von zwei Ehrenamtlichen begleitet. Dabei sind wir im Wechsel in festen Konstellationen aktiv. Wir tauschen uns eng untereinander aus, so dass wir über besondere Situationen oder Veränderungen gut informiert sind. Doch auch mit Frau Mikosch, unserer Ehrenamtskoordinatorin, sind wir in stetem Austausch.

Das Lebens-Café findet einmal im Monat statt. Wie sieht der Ablauf aus?

In der Mitte des Tisches steht eine Kerze, die wir zu Beginn eines jeden Lebens-Cafés gemeinsam anzünden. Jeder Besucher, der neu dazukommt, darf hierauf einen Stern für seinen Angehörigen kleben. Das ist immer sehr bewegend. Es gibt natürlich eine kurze Begrüßung, aber dann entstehend auch schon die ersten Gespräche. Die zwei Stunden sind immer mit Leben gefüllt und vergehen unglaublich schnell, auch wenn natürlich Tränen fließen. Sofern ein Besucher das Bedürfnis hat, mit einem Ehrenamtlichen unter vier Augen zu sprechen, ist dies natürlich möglich.

Wie unterstützen Sie dabei, dass Gespräche unter den Besuchern entstehen?

Die meisten Besucher haben ein konkretes Anliegen und wollen sich in geschützter Atmosphäre mitteilen. Eine Dame sagte einmal zu Beginn des Lebens-Cafés, dass sie nicht reden, sondern nur zuhören möchte. Der Verlust ihres Zugehörigen hat sie jedoch tief bewegt, so dass sich unglaublich viel angestaut hat, was sie loswerden wollte. Mit dem Lebens-Café hat sie den Ort für sich gefunden, an dem sie sich mitteilen kann.Unsere Besucher begegnen sich auf Augenhöhe, hören einander zu und jeder weiß, dass er hier mit seinen Gefühlen und Gedanken nicht alleine ist. Für den Fall, dass keine Gespräche entstehen, habe ich immer eine kleine Geschichte oder ein Gedicht dabei. Es passiert aber selten, dass ich hier aktiv werden muss.

Mit was für Gedanken kommen die Besucher ins Lebens-Café?

Jeder Besucher ist mit seinen Gedanken und seiner Trauer einzigartig, jeder von ihnen hat seinen Platz. Wie lange der Tod her ist und wie häufig jeder Einzelne das Lebens-Café besucht, ist unterschiedlich. Einige Trauernde kommen seit Anfang an, andere hingegen nur ein- oder zweimal.Einigen Besuchern wird von ihrem Umfeld vermittelt, dass die Trauer doch irgendwann vorbei sein muss. Das bewegt sie natürlich und einige scheuen sich davor, sich Hilfe zu holen. Aber Trauer ist ein Prozess, der nicht einfach nach ein oder zwei Jahren vorbei ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es wichtig ist, die Trauer in ihrer Einzigartigkeit zuzulassen. Von daher möchte ich die Besucher des Lebens-Cafés auf ihrem Weg unterstützen.

Möchten auch Sie die Arbeit im Laurentius Hospiz unterstützen? Dann helfen Sie uns jetzt!

Zeit und Raum zum Abschied nehmen.

"Rituale sind beim Abschiednehmen sehr wichtig. Daher haben Abschiedsrituale bei uns eine große Bedeutung, in die wir auch die Zugehörigen eng miteinbeziehen. Dies ist für sie in dieser schweren Zeit oft eine große Stütze", sagt Pflegedienstleitung Carolin Pleis.

"Wenn ein Gast verstirbt, schlagen wir auf unserem Gedenktisch zunächst das Gedenkbuch auf und verewigen hier seinen Namen. So haben seine Familie und seine Freunde z. B. die Möglichkeit, dem Verstorbenen ihre Gedanken mit auf den letzten Weg zu geben", so Pleis. "Außerdem entzünden wir auf dem Gedenktisch eine Kerze, so dass jeder, der unser Haus betritt, weiß, dass ein Gast verstorben ist."

Die letzte Waschung des Verstorbenen ist ein wichtiger Prozess im Abschiednehmen. "Hierfür nehmen wir uns viel Zeit. Die Zugehörigen werden nach ihren individuellen Bedürfnissen miteinbezogen", so Carolin Pleis. An eine Waschung erinnert sie sich besonders intensiv: "Gemeinsam mit einer Mitarbeitenden hat die Tochter einer verstorbenen Dame diese angekleidet und geschminkt. Der Sohn wollte eigentlich daran teilnehmen, ist aber immer wieder aus dem Zimmer gegangen. Irgendwann kam er mit dem Parfum seiner Mutter zu ihr ans Bett - sie habe immer so gut gerochen und dies wünsche er sich auch für ihre letzte Reise. Das hat meine Mitarbeitenden und mich sehr berührt." Seine letzte Kleidung wählt der Gast während seines Aufenthaltes im Laurentius Hospiz aus. Dies ist ein wichtiger Schritt in der Auseinandersetzung mit dem Tod und hilft, diesen zu begreifen. Außerdem wird dem Gast so gezeigt, wie wichtig und auch einzigartig er mit seinen Wünschen ist.

Das Zimmer des Verstorbenen wird gemeinsam mit den Zugehörigen gestaltet. "Wir orientieren uns immer an dem Gast. Was war seine Lieblingsfarbe? Was hat er gerne gelesen? Und wer war möglicherweise sein Lieblingsfußballverein?", erklärt Carolin Pleis. Vor die Zimmertür wird ein Reisekoffer mit einer Laterne und einer Kerze gestellt - symbolisch für die letzte Reise, auf die sich der Gast begibt. Nach dem Versterben bleibt der Gast meist noch einige Tage im Hospiz. So haben auch die Familie und Freude Zeit, den Tod zu begreifen, Veränderungen wahrzunehmen und Abschied zu nehmen.

Wenn der Verstorbene das Laurentius Hospiz verlässt, wird ihm meistens etwas Persönliches mit in den Sarg gegeben. Dazu gehören z. B. Bilder von der Familie, ein Buch oder eine Lesebrille. "Vor einiger Zeit hatten wir einen Gast, der leidenschaftlicher Weintrinker war. Ihm haben wir ein Weinglas und eine kleine Flasche Wein mit in den Sarg gelegt", sagt Carolin Pleis.

Die Zugehörigen sowie die Mitarbeitenden sind dabei, wenn der Wagen des Bestatters mit dem Verstorbenen vom Hospizgrundstück fährt und können wahrnehmen, wie sich der Gast nun auch räumlich von ihnen entfernt. Gemeinsam gehen sie zum Glockenturm auf dem Gelände des ehemaligen Diakoniekonvents. Dieser wird nun geläutet. Nach dem Ausläuten wird das Kondolenzbuch geschlossen und die Kerze ausgepustet.

In Falkenburg weiß jeder, was das Läuten der Glocke bedeutet. "Oft werden wir darauf beim Bäcker oder bei einem Spaziergang angesprochen. Für die Falkenburger ist dies aber nicht negativ behaftet, sondern sie sind viel mehr dankbar dafür, dass sie in das Ritual mit einbezogen werden", so Carolin Pleis weiter.

Das Trauerritual ist nicht nur für die Zugehörigen wichtig, sondern auch für die Mitarbeitenden: "Auch wir brauchen ein Ritual, um Abschied zu nehmen und innezuhalten. Das gibt uns Kraft für unsere Arbeit."

Doch auch nach dem Versterben des Gastes bleibt der Kontakt zu den Zugehörigen bestehen: Zweimal jährlich finden Gedenkfeiern statt. Familie und Freunde können so gemeinsam trauern, sich aber auch gegenseitig Kraft schenken.

Zu Zweit ins kühle Nass

Noch einmal nur mit ihrem Mann ein paar Momente im Freibad erleben - das war der Wunsch von Frau R., Gast im Laurentius Hospiz in Falkenburg. Gemeinsam haben sich die Mitarbeitenden Gedanken darüber gemacht, wie sie diesen Wunsch erfüllen können. "Maren Mikosch aus dem Sozialdienst hat dem Freibad Hatten von der Situation erzählt und gefragt, ob es möglich ist, dass Frau R. und ihr Mann das Freibad außerhalb der Öffnungszeiten nutzen können. Die Bademeister waren sofort Feuer und Flamme", erzählt Pflegedienstleitung Carolin Schröder. "Frau R. hat für diese Wunscherfüllung eine Einladung von uns bekommen und sich riesig darüber gefreut. Ihren Mann hat sie sofort losgeschickt, damit er ihr einen neuen Badeanzug kauft."

Bei ihrem Ausflug ins Freibad hat zunächst der Bademeister Frau R. ins Wasser begleitet und sie bei den ersten Runden durchs Wasser unterstützt, später hat ihr Mann diese Aufgabe übernommen. "Frau R. hat so gestrahlt", erzählt Carolin Schröder. "Das hat mich unglaublich stolz und glücklich gemacht." Nach einer Stunde im Wasser haben zwei Bademeister Frau R. wieder aus dem Becken geholfen.

Um dem Besuch einen exklusiven Abschluss zu verleihen, haben Maren Mikosch und Carolin Schröder im Freibad ein kleines Frühstück vorbereitet: Sekt, Erdbeeren, Kerzen, Blumen und alles, was an so einem Tag dazu gehört. Als Frau R. den gedeckten Frühstückstisch sah, sagte sie mit Tränen in den Augen: "Wow! Das sieht so toll aus. Ich muss aufpassen, dass ich nicht gleich heule, so schön ist das!" Mit so einer wunderschönen Überraschung habe sie nicht gerechnet. Zurück im Laurentius Hospiz war sie noch ganz berührt von dem Ausflug und hat allen Mitarbeitenden, Gästen und deren Angehörigen davon mit einem Lächeln im Gesicht berichtet.

Möchten auch Sie die Arbeit im Laurentius Hospiz unterstützen und schwerstkranken Menschen eine würdevolle und selbstbestimmte letzte Lebensphase ermöglichen? Dann helfen Sie uns jetzt!

Schirmherr besucht Laurentius Hospiz

Yared Dibaba, Schirmherr des Laurentius Hospizes, besuchte das Haus anlässlich der Weihnachtsfeier. Dort nahm er sich Zeit, um mit Gästen, Angehörigen und Mitarbeitenden zu klönen und eine Tasse Tee zu trinken.

Evelyn Linnemann: „Ich bekomme so viel zurück“

Eine wichtige Säule der stationären Hospizarbeit ist das Ehrenamt. Sowohl im Laurentius Hospiz in Falkenburg als auch im Friedel-Orth-Hospiz in Jever engagieren sich Menschen freiwillig z. B. in der Begleitung von Gästen, bei der Gartenpflege oder im täglichen Ablauf des Hospizes.

Evelyn Linnemann ist eine der 25 Ehrenamtlichen im Laurentius Hospiz in Falkenburg. Sie ist fester Bestandteil des Teams und hat den Aufbau des Hauses miterlebt. "Ich war kurz vor der Eröffnung des Hospizes beim Tag der offenen Tür", erzählt sie heute. "Zu dem Zeitpunkt war ich bereits nicht mehr berufstätig. Meine nun vorhandene Zeit wollte ich für etwas Sinnvolles zur Verfügung stellen."

Mittlerweile engagiert sich Evelyn Linnemann seit über vier Jahren für das Hospiz im Landkreis Oldenburg. Begonnen hat sie im Bereich der alltäglichen Unterstützung, bei der sie vor allem in der Küche eingesetzt wird. "Bereits während meiner Berufstätigkeit habe ich eine Hospizhelferausbildung absolviert. Daher war es mein Wunsch, auch in die Einzelbegleitung zu gehen", erzählt sie. Dabei begleitet sie einen Gast während seines gesamten Hospizaufenthalts. "Ich stehe ihm in seiner letzten Lebensphase zur Seite, höre zu, frage nach", so Evelyn Linnemann. "Wenn es die Mobilität zulässt, unternehme ich mit dem Gast auch gerne was." So war sie schon einmal mit jemandem Fisch kaufen und hat mehrere Spaziergänge gemacht - je nachdem, was die individuelle Situation zulässt. Evelyn Linnemann ist aber nicht nur für den Gast da, sondern spricht auch mit seinen Angehörigen über ihre Gefühle und Gedanken in dieser schweren Zeit. "Ich hoffe einfach, dass ich sowohl dem Gast, als auch seiner Familie und seinen Freunden Entlastung verschaffen kann."

Sie selber kann gut mit der Begleitung eines Gastes umgehen. "Es ist wichtig, eine professionelle Distanz einzuhalten", sagt Evelyn Linnemann. Dies gelingt ihr sehr gut und auch die Supervision, die mit anderen Ehrenamtlichen regelmäßig stattfindet, ist für sie eine große Hilfe. "Außerdem bekomme ich von den Gästen sehr viel zurück und erfahre viel Dankbarkeit - sowohl in der Einzelbegleitung, als auch im Alltäglichen. Das zeigt mir, dass dieses Ehrenamt für mich richtig ist."

Ehrenamtliche sind unverzichtbar.

Auch Hospizleitung Irene Müller weiß den Einsatz der Ehrenamtlichen zu schätzen: "Freiwillige Helfer sind ein wichtiger Bestandteil der stationären Hospizarbeit." Daher freue sie sich immer über Menschen, die sich gerne für eines der Häuser engagieren möchten. "Auch neben der Einzelbegleitung gibt es viele Bereiche, in denen wir auf Ehrenamtliche angewiesen sind: Sei es in der Küche, auf Veranstaltungen oder beim Planen und Durchführen von Spendenaktionen." Und in einer Sache ist sich Irene Müller sicher: "Aufgaben gibt es genug."